Reisen ist schlimmer als Hemden bügeln ...

Oder wann bin ich glücklich?

Beginnen wir mit der letzten Frage, dies ist leicht. Ausgesprochen glücklich fühle ich mich nach einem arbeitsamen Tage bei einem Glas Rosé, einem noch leeren Aschenbecher und einem fordernden Strategiespiel. Wenn dann gleichzeitig noch was Gescheites im TV läuft, die Börse endlich wieder etwas ansteigt, der Hund um Streicheleinheiten bettelt, draussen die Temperaturen sich in einer erträglichen Bandbreite bewegen und ich meine Frau ein klein bisschen ärgern kann, dann ja dann bin ich richtig glücklich.

Wenn man die vielen Reiseberichte sieht, könnte man meinen, ich reise gerne. Ganz im Gegenteil! Für jemand, für den es schon ein Graus ist, die Haustüre zu öffnen, ist jeder zusätzliche Schritt unbehaglich. Wenn dann noch eine Tempoverschärfung ist Spiel kommt (z. B. mit dem Auto oder noch schlimmer, mit dem Flugzeug) kommt mein geistiges Gummiband ins Spiel. Je weiter ich von zu Hause weg muss desto stärker spielen die Kräfte, welche für eine Rückkehr sprechen. Geradezu der Gipfel der Quälerei ist es, wenn meine Frau schon im Vorfeld der Reise täglich ihr Vorfreude satanisch zur Schau stellt, extra etwa eine Woche vorher ganz langsam und aufreizend mit dem Kofferpacken beginnt. Schon fünf(!) Tage vor der Reise fragt, ob ich in meinem Koffer noch Platz für ihr Zahnbürstli habe. Das ist etwa so grausam, wie eine Pressemitteilung der Hölle, sie würden ab jetzt auf Raucherlounges verzichten. Was ich dann dort überhaupt noch soll ist mir ein Rätsel! Schon die Mitteilung vor 10 Jahren, man müsse aus Sicherheitsgründen bevor man ins Fegefeuer eintritt seine Zigarette löschen, ist mir böse eingefahren.

Doch der richtige Stress steht mir noch bevor. Packen, packen und nochmals packen. Allerdings fällt mir regelmässig erst kurz vor dem Abflug ein, dass der Adapter für Indonesien ja nicht unbedingt in Abu Dhabi passt.

Endlich ist man am Flughafen. Dann heisst es warten. Sicherheitskontrolle, Schuhe aus, Gürtel weg und ja kein Münz im Hosensack (mein wöchentliches Taschengeld). Dann kommt Käfig Nr. eins. Warten. Dann kommt Käfig Nr. 2. Warten. Dann kommt der Flughafenbus. Warten. Dann endlich einsteigen (warten bis die beleibte Dame, selbstverständlich sind Gänge im Flugzeug nicht für diese barockschen Dimensionen gedacht) ihren Platz gefunden hat und warten bis diese endlich einen Steward gefunden hat, der ihr hilft, das Handgepäck hochzustemmen. Platz gefunden. Warten bis der Pilot den Abflug einleitet usw.

Natürlich läuft es nur so reibungslos ab, wenn ich nicht dabei bin. Bei mir passiert es, dass 60 Km vor dem Flughafen plötzlich wegen eines Gefahrengutunfalls in einem Tunnel für Stunden eine Vollsperrung der Autobahn ein rechtzeitiges Eintreffen verhindert (Teneriffa 2015). Oder dass nach 24 Stunden verspätetem Flug (aus Indonesien) plötzlich Frankfurt statt Amsterdam (Nebel) angeflogen wurde. Aus Sicherheitsgründen durfte man nicht aussteigen, sondern man musste im Flugzeug warten, bis sich der Nebel über Amsterdam verzogen hätte. Nach einer längeren Diskussion mit dem Piloten (heue käme die Sondereinheit) und einer Abgeordneten der Fluglinie aus dem Flughafen wurde meiner Frau und mir gestattet einzig (und selbstverständlich ohne Gepäck) auszusteigen, einzig in einen riesigen Bus einsteigen zu dürfen und ein neues Einweg-Ticket nach Basel lösen zu dürfen (wo mein Schwager mit dem Hund wartete, wenn er nicht gerade meinte, wir kämen in Zürich an). Oder zusammen mit meinem Vater ein Geschäftstermin in Nürnbergbei dem beim Heimflug nach Basel das Fluzeug in so heftige Böen kam, dass wir uns die Köpfe an der Decke anschlugen und schwörten, der Flugzeugschwanz würde uns überholen. Oder damals, als ich aus Prestigegründen noch eine Sekretärin durchfüttern musste (sorry Frau Büchi) kam ich in Düsseldorf an, meinte aber, ich sei in Dortmund gelandet. Alles kein Problem. Bis ich nach hundtert Kilometer Autobahn merkte, dass die Ausfahrt Hagen fehlte und dass ich in die falsche Richtung fuhr.