Blueriff


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Eine Seite für Meerwasser-
Einsteiger








Moerdermuschel



Aalgrundel 1

Die Anfänge.

Ich habe viele Jahre Süsswasser-Aquarien betrieben (siehe auch unter Kratzer) und zeitweise Terrarien mit Waranen, Basilisken und Wasseragamen. Aber wie bei einer Frau < Schutzalter wollte so richtig keine Freude aufkommen.

Schon jahrelang habe ich mit einem Meerwasser-Aquarium geliebäugelt. Alleine das Wissen, dass dieses Hobby viel Zeit und viel Geld kostet, haben mich davon abgehalten.
Zwei Sachen kamen zusammen: mein Süsswasser-Aquarium  entleerte sich fast völlig über Nacht (das Wasser drang durch Bodensteckdosen und Elektroverteilerkasten 2 Etagen tiefer und die Versicherung hat ohne Murren alles bezahlt) und zudem hatte meine scheue, ziemlich introvertierte Gattin die Sorge, dass es mir langweilig werden könnte. Beides gleichzeitig (und die Aussage eines Händlers: Meerwasser ist überhaupt nicht schwierig) waren Gründe genug, dieses Hobby anzugehen.

Was ich nicht wusste: wenn man einmal damit begonnen hat, ist eine Rückkehr zu etwas Vernünftigem fast nicht mehr möglich. Und was ich auch so nicht geahnt habe: dieses Hobby verlangt ungeheuer viel Zeit, ungeheuer viel Arbeit  und ungeheuer viel Geld (und macht ungeheuer viel Spass!). Ich habe viele Stunden, Tage und Wochen damit verbracht, mich zu informieren. Und dennoch komme ich mir immer noch als blutiger Anfänger vor wenn ich die Homepages erfahrener Meerwasser-Aquarianer (z.B.  ein empfehlenswerter  Link von vielen)  oder von (semi-)professionellen Seiten wie z.B. diverse Muscheln studiere, komme ich mir fast wie ein Analphabet vor. Und dennoch, jeder Schritt nach vorne ist ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn ich immer wieder feststellen muss, dass für mich Neues und Unbekanntes für viele Aquarianer  Altbekanntes ist (meine ersten höherwertigen Algen, meine orangen Schwämme, meine balzenden Clownies, meine kränkelnden Seepferdchen, meine U-Boot-Schnecken etc. usw.).

Natürlich bin ich als "Homepage"-Unkundiger stolz, dass ich etwas geschaffen habe (man erspare sich die Frage, ob die Homepage nicht mich geschafft hat). Auf jeden Fall bin ich jetzt auch drei Jahre älter (Windchill: 5 Jahre). HTML-Kenner werden sich die Haare raufen, wenn sie einmal einen Blick in den Quellcode werfen. Aber auch hier gilt: ohne Aquarium hätte ich kaum einen vernünftigen Grund gehabt, selbst eine Homepage zu erstellen, mich plötzlich mit dem  Mikroskopieren auseinander zu setzten, mich in die Geheimnisse der Makrophotographie zu vertiefen (immerhin wird heutzutage für eine vernünftige Kamera, wie z.B., die Nikon D800 ohne Objektiv und allernötigstes Zubehör CHF 2700.- verlangt) , meine Versicherungspolicen zum ersten mal genauer zu studieren, mich mit Plankton-Zuchten, mit Glassorten, mit Statik, mit der Physik und mit der Chemie des Wassers auseinanderzusetzten. Und wenn man endlich alle deutschen Namen der noch lebenden Meerwasserfische, der Korallen und der Wirbellosen kennt (so etwa nach 30 Jahren), dann, aber erst dann merkt man, dass man sich besser die lateinischen Namen gemerkt hätte. Also noch einmal von vorne!



Freud und Leid.

Kann viel Freude bereiten. Allerdings wächst die Angst mit zunehmender Kenntnis der salzigen Materie. Man träumt von Plagegeister (tönt harmlos, nicht?) die auftauchen, Krankheiten welche ausbrechen, Lecks tun die Wohnung überfluten, über den Beckenrand springende Fische röcheln morgens um 3.00 Uhr auf dem teuren Teppich, sich gegenseitig zerfleischende Tiere bringen die grausamsten Albträume. Killeralgen, Mördermuscheln, Todeskrabben, giftigste Krustenanemonen lassen einem fast nicht mehr schlafen. Ich weiss nicht, ob es tatsächliche die vielen Misserfolge sind, die die Suizidrate der Meerwasserfreunde so hoch werden lassen. Auf jeden Fall ist die Zahl derjenigen, die dieses Hobby noch betreiben, sehr klein. Es lässt sich nicht vermeiden, dass jeder jeden kennt, Fotos (fast) aller Meerwasserfreunde tauchen in einschlägigen Foren auf und jedes Tun oder nicht Tun der wenigen (Halb-)Professionellen werden sofort in den Foren kommentiert und kritisiert. Wehe, wenn auf den Fotos mehr als nur die Aquarien zu sehen sind. Dann werden nicht nur die Gestaltung des Aquariums, die Dichte des Besatzes usw. aufs Heftigste diskutiert, sondern auch die Farbe und das Alter der Möbel, der Zustand der Ehefrau, der Lichteinfall in der Küche und vieles mehr. Trotzdem stellen fast alle Aquarienfreunde immer wieder Fotos ins Internet. Masochisten? Eine gute Adresse, dies zu verfolgen, war füher dieses Forum.




Viel- und Sorgfalt.

Auch wenn ich mich durchaus als Einsteiger bezeichne (Mai 2010, hoffentlich sieht's im Jahre 2020 anders aus), so habe ich doch viel gelesen und diskutiert. Es gibt einiges an Erkenntnissen, welche man unbesehen akzeptieren kann. Z. B. dass man Meerwasser mittels Osmose Anlage und nachgeschaltetem Mischbettharzfilter herstellen soll. Dies schliesst eine Vielzahl von späteren möglichen Problemen weitgehend aus. Natürlich gibt es auch Unverbesserliche, welche ihr Aquarium mit Streusalz betreiben und auch noch stolz darauf sind (jedenfalls die ersten drei Wochen oder so. Später, wenn die Probleme unüberwindbar werden, hört man allerdings nichts mehr von diesen Leuten, sie verschwinden einfach aus den wenigen Meerwasserforen, wo sie vorher so stolz ihre "Erkenntnisse" präsentiert haben).

Anderes sind Glaubensbekenntnisse. Diskussionen über Refraktometer, Aerometer, Leitwertsonden (grob: zur Bestimmung des Salzgehaltes) werden aufs heftigste geführt. Ich meine, mit etwas Erfahrung kann bei dieser Auswahl jeder für sich selbst feststellen, was für ihn am besten ist. Inquisition ist hier völlig fehl am Platze. Wichtig ist meiner Ansicht nach einfach, dass man hin und wieder die Werte auf Plausibilität prüft (z.B. durch Kalibrieren, durch Gegenproben oder durch Tests anderer Hersteller etc.) und dass man nötige Korrekturen im Aquarium nur ganz langsam vornimmt. Wie beim Tauchen: die hektischen Bewegungen verraten den Anfänger.

Wen will ich mit dieser Seite erreichen?

Etwas weniger provokativ: wem will ich helfen? Ich habe als Anfänger viele Fragen gehabt: Wie betreibt man ein Filter-Becken sicher? Braucht es wirklich Löcher in meinem Glasbecken? Was ist der Unterschied zwischen Zooplankton und Phytoplankton, braucht man eine vermögende Frau um dieses Hobby betreiben zu können? und vieles mehr. Soll ich, wie gewohnt, unkritisch den Wünschen meiner Liebsten folgen: "Dieser kleine Walhai würde prima zu meinen neuen Schuhen passen". Oder: "Ich habe die Brille ja nicht immer auf, also möglichst grosse, leuchtende oder fluoreszierende Fische!"?

Ich versuche die Fragen anderer Einsteiger so zu beantworten, wie sie mir selbst plausibel beantwortet wurden und  hoffe, dass andere Einsteiger hier eine Hilfe finden. Für langjährige Aquarianer sind diese Seiten nicht gedacht.

Ich versuche Hilfe zu geben. Ich glaube, ich erzähle nichts Falsches. Wenn zu einzelnen Themen unterschiedliche Rezepte vorliegen, so habe ich die für mich Plausibelste ausgewählt. Leider kann und will ich keine Garantie dafür abgeben, dass immer alles unbesehen so übernommen werden kann.

 

Leise Enttäuschung.

Natürlich hoffte ich, dass meine Kollegen und Freunde ebenso beeindruckt von meinem neuen Hobby sind wie ich, meine etwas scheue, introvertierte Gattin, meine beiden Hunde und mein blaugrauer Kater (blau sagen die Züchter, grau sagt der gesunde Menschenverstand). Weit gefehlt! Ein kurzer Blick zum Aquarium  (der längste interessierte Blick ins Aquarium dauerte eine Minute und endete mit der Frage: "Wo haben sich denn die Muränen versteckt?"). Die einzigen, die sich wirklich für mein Hobby interessierten, sind Hobbyaquarianer, mein Nachbar (der bei dem bläulichen Licht eine Marihuana Plantage vermutete) und mein Bankberater (oder wie andere sagen: mein Vermögensvernichter. Er hat seine Ausbildung in Griechenland gemacht). Er beklagte sich, dass all meine ersparte 3. Säule in Salzwasser angelegt sei und er diese Währung nicht kenne. Ich solle doch mindestens zwei Bürgen nennen oder das so wertvolle Aquarium als Sicherheit im Tresor hinterlegen.
Fazit: dieses Hobby machst Du alleine, um Dir selbst Freude zu bereiten. Und selbst dann, wenn sich deine (zurückhaltende, immer nur leise sprechende) Ehefrau für Seepferdchen Zucht interessiert, so bleibt doch die Arbeit (und die Kosten) an dir hängen. Dass die Bilder der hübschen Seepferdchen dann in allen Hausfrauenforen als Verdienst deiner fast unsichtbaren Ehefrau auftauchen, muss hingenommen werden.
•••  Nachricht an ujaeggi@jaeggi.ch •••