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Was ist im Aquarium

Sand und Steine.

Lebende Steine

Das ist erstmals ein befremdlicher Begriff. Aber schon bald wirst Du merken (sorry, aber alle Meerwasserfreunde duzen sich), dass man um lebende Steine nicht herum kommt. Sie fungieren als wichtiges Filterelement im Becken. Je grösser der Anteil an lebenden Steinen und je kleiner der Anteil an totem Gestein desto besser. Natürlich gibt es auch bei lebenden Steinen Qualitätsunterschiede. Die besten Erfahrungen habe ich gemacht mit Steinen aus Bali, welche dank einem cleveren Händler direkt und schnell vom Flughafen ohne Zwischenhälterung und ohne Wechsel der Styroporbox auf schnellstem Wege in das Becken gebracht wurden. Wichtig ist hierbei aber (wie auch später bei kleineren Steinen, die mit den Korallen verkauft werden), dass sie ganz genau auf unerwünschte Plagegeister untersucht werden (Krabben, Borstenwürmer etc.). Ein guter Diskussionsbeitrag zu lebenden Steinen findest Du hier. Diese Steine kann man entweder direkt in den Abfluss geben oder in sogenannte Artenbecken stecken. Allerdings hören die meisten Aquarianer nach dem zehnten Becken alleine schon aus Platzgründen auf, weitere Aquarien in der guten Stube zu platzieren. Militante Tierschützer bringen sie dem Händler zurück (in der Hoffnung, er kann diese gebrauchen). Insbesondere Krabben oder Fangschreckenkrebse können eine beachtliche Grösse annehmen und allerlei Schaden im Becken anrichten.
Ich Dösel bin anfangs davon ausgegangen, dass möglichst wenig von der (kaum attraktiven) Rückseite des Aquariums gesehen werden sollte. Weit gefehlt! Wichtig sind die natürliche Lage der Steine (nachträglich nicht immer ganz einfach festzustellen), Auflageflächen für (viel später einzusetzende) Korallen, das Kaschieren der Technikteile im Aquarium (Kabel, Pumpen, Ablaufschacht etc.). Im vergangenem Jahr waren weisse Lichtrasterplatten modern, um als Untergrund oder Höhlengerüste lebende Steine einzusparen (diese kosten in der Regel zwischen 20.- und 25.- CHF/Kg) und um vor allem die Glas-Bodenplatte vor herunterstürzenden Steinen zu schützen (es ist kaum zu glauben, wer im Becken alles die Stabilität des Aufbaus prüft). Lichtrasterplatten haben den Vorteil, dass sie praktisch keine schädlichen Stoffe an das Salzwasser abgeben und dass sie die wichtige Wasserzirkulation kaum behindern. Allerdings ist die Möglichkeit, diese zu verkleben, nicht ideal (man kann auch Kabelbinden nehmen). Der jetzt gerade letzte Schrei sind verschweisste graue Plexiglasplatten (zur Zirkulation werden endlos Löcher gebohrt). Das Schweissen der Plastikplatten überlassen Sie aber lieber dem Fachmann. Auch wenn man später die Schweissnaht nie mehr sieht, eine saubere Schweissnaht verrät den besessenen Aquarianer (und den vermögenden Aquarianer).

Einfahrphase 

Beim Neueinrichten eines Aquariums möchte man natürlich möglichst schnell Tiere einsetzen. Tu es nicht. Die Tiere würden unweigerlich leiden und im schlimmsten Fall sogar eingehen. Warten, warten und nochmals warten. Dies ist fast der schlimmste Moment im Leben eines Aquarianers. Bis er merkt, dass in seinem neuen Aquarium enorm viel Leben gedeiht. Noch keine Haie, aber Seescheiden, Borstenwürmer, viele verschiedene Arten von höherwertigen Algen, kleine Krebse und unendlich viel Anderes. Spätestens jetzt muss ein Mikroskop, eine Spiegelreflexkamera und ein HD-fähiger Camcorder her (und spätestens jetzt und  hier wird auch die 3. Säule der Ehefrau geplündert). Nach vielen Wochen beginnt man mit dem Einsetzen von Schnecken, Einsiedlerkrebsen und ev. Seeigeln. Und wieder heisst es warten, warten und warten. Nach vielen Wochen, ja sogar nach einigen Monaten können auch Fische, Anemonen und Ähnliches eingesetzt werden. Es ist aber unendlich wichtig, dass nach frühestens 3, besser 6 Monaten der Fischeinkauf beginnt. Lassen Sie die Ehefrau zu Hause! Erfahrungsgemäss kaufen Frauen Fische, die beim Händler im Becken so einsam vor sich hinschwimmen. Aus lauter Mitleid sind sie versucht, diesen Fischen ein neues, gemütliches Zuhause zu geben. Falsch! Sehr oft sind diese Fische Futterspezialisten (verlangen jeden Tag dreimal nach speziellem Lebendfutter). Genauso falsch ist es, unseren Frauen zu gehorchen (grundsätzlich und auch in diesem speziellen Fall), die farbenprächtigsten, schönsten und "liebsten" Fische mit nach Hause zu nehmen. Diese entpuppen sich nämlich als äusssert streitsüchtig (anders gesagt, killen alle tatsächlichen "Konkurrenten" und vermeintliche "Feinde" und ärgern selbst Seesterne und Einsiedlerkrebse). Zudem nehmen diese wunderschönen, farbenprächtigen Fische im Verlauf eines Fischlebens Dimensionen an, die unser Aquarium bei Weitem nicht zulassen. In diesem Punkt sind sich Fische und Tierschützer einmal einig. Die Grösse eines ausgewachsenen Fischen und die tatsächliche Beckengrösse, der freie Schwimmraum im Verhältnis zur Grösse des Fisches sind von Anbeginn weg zu beachten. Unzählige Beiträge zu genau diesem Thema gibt es in den diversen (Fach-)Foren. Fazit: Wenn Sie etwas Wichtiges oder Heikles einkaufen wollen, so lassen Sie ihre Ehefrau an ihrem Lieblingsplatz: dem Kochherd. Einfach dort, wo sich die Frau naturgemäss sehr heimisch fühlt (sieht man an den glänzenden Augen).

Lebende Steine

Obwohl man im Meer kaum Riffsäulen sieht, welche zudem zufällig genau die passende Beckengrösse haben, schwärmt fast jeder Aquarianer von gut aufgebauten, fest sitzenden Riffsäulen. Diese haben den grossen Vorteil, dass man fast beliebig viele Stellflächen für Korallen anbringen kann. Je nach Strömung und Lichtbedürfnis können die Korallen an den optimalen Platz gestellt (oder geklebt) werden. Ein weiterer grosser Vorteil ist, dass man in die Steine Löcher bohren kann und ein PVC-Rohr hindurch stecken kann (bitte nur PVC-U verwenden, Klebstoff wie bei der Verrohrung ist Tangit). Die Steine halten durch ihr Eigengewicht oder durch Verkleben und sind so fast unverrückbar miteinander verbunden sind. Man kann es sich als Anfänger nicht vorstellen, wie manche Tiere zum Spass den ganzen liebevollen Steinaufbau sonst neu gestalten. Aus diesem Grunde sollte man auch auf das Glas des Aquarienbodens eine PVC-Platte verkleben (mit Silikon, damit sich später kein Sand sammelt. Es gibt Tiere, die können selbst mit scheinbar schweren Steinen Federball spielen. Ich habe (beim ersten Becken!) noch keine Riffsäulen aufgebaut und ich gebe zu, dass mein Becken wie ein Riffabhang aussieht, bei dem kurz vorher japanische Taucher mit sauteurer Foto-Ausrüstung aber mit null Ahnung vom Tarieren hemmungslos herum getrampelt sind. Natürlich kann man ohne perfektes Tarieren auch nicht fotografieren. Trotzdem wird dies immer wieder versucht. Riffe und die Fotographie leiden.

Sand

Wenig. Auch damit die Steine später nicht untergraben werden können. Natürlich gibt es auch hier Tiere, die es üppiger mögen. Die Diskussion, ob man lebenden Sand oder toten Sand nehmen soll, spaltet die Menschheit. Mach es also (nur in dieser Hinsicht), wie Du willst. Es ist eh nicht das Richtige. Ich selbst habe den teureren lebenden Sand genommen und kann weder positives noch negatives darüber berichten. Heute ist man allgemein der Ansicht, dass auf  "lebenden" Sand ohne Weiteres verzichtet werden kann. Voraussetzung ist natürlich genügend "Lebendgestein" im Becken.

Strömung

Eher viel. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen (z.B. der lieben Frau ihr Seepferdchen Becken) oder ein "zu viel". Entscheidend ist aber, dass die Strömung möglichst überall für eine Wasserbewegung sorgt, damit es keine "Schmuddel Ecken" gibt, wo sich Unerwünschtes ansammeln kann. Es gibt die gute Möglichkeit, zwei verschiedene Strömungspumpen (mit der 10 - 20-fachen Leistung des Inhalts des Beckes) zu kombinieren (mehr dazu z.B. auf dieser Seite). Unterschätzt habe ich anfangs auch, dass verschiedene Tiere unterschiedliche Strömungen und Lichtintensität bevorzugen. Lesen im Internet, was das Zeugs hält und immer wieder beobachten, ob sich die Tiere wohlfühlen und gedeihen.

Energie,Tierliebe usw.

Gedanken zur Energie

Solltest Du bei der letzten Wahl dich für Grün entschieden haben, so fange dieses Hobby erst gar nicht an (Monopoly wäre eine gute Alternative, Schäfchen zählen auch). Damit dieses Hobby nämlich einigermassen funktioniert (und den Tieren gerecht wird) brauchst Du viel Energie (auch elektrische). Einer der hauptsächlichen Energiefresser ist zuallererst das nicht richtig zu isolierende Aquarium selbst (das mittels Titanheizstab im Winter und mittels Kühlung im Sommer im Normalfall auf 25° Celsius gebracht werden sollte). In nichts steht der Energiebedarf für das Licht nach. Die Grösse und vor allem die Höhe des Beckens  entscheiden massgeblich über die Stärke der Beleuchtung.  Je höher und je grösser ein Becken ist desto besser (60 cm Höhe sollten es mindestens sein, 300 Liter Beckeninhalt als Minimum sind fast Pflicht). Drei 250 Watt HQI-Lampen und Blaulicht und Nachtlicht und die Beleuchtung der Filterbecken und die Beleuchtung der Aufzuchtbecken etc. fressen sehr viel Strom. Da nützt es auch nichts, wenn man sich einen Kühlschrank der Energieklasse A++ anschafft. Diese Anschaffung fällt (energiemässig) nicht mehr ins Gewicht. Allerdings sind in den letzten Monaten die LED-Beleuchtungen (zwar immer noch viel zu teuer) eine gute Möglichkeit, sein ökologisches Gewissen etwas zu beruhigen. Zudem kann die Qualität des Lichtes und die Steuerung der einzelnen Phasen perfekt auf das Aquarium und die Tiere abgestimmt werden. Also: Frau verkaufen, LED anschaffen und man kann wieder ruhig schlafen und man kann ein Gewitter simulieren, von dem vorher nur geträumt wurde.

Tierliebe

Solltest Du Mühe haben, Spinnen im Lavabo zu entsorgen, so wähle ein anderes Hobby. Es ist unvermeidlich, dass beim Fang, beim Transport, beim Händler und nicht zuletzt in Ihrem Becken Tiere leiden und sogar verenden. Geradezu scheinheilig ist die Meinung, dass Meerfische für das Hobby gezüchtet werden und so auf Wildfänge verzichtet werden kann. Die wenigen Fische (Kaudermis, Clownfische und kaum mehr) decken nur ganz wenige Prozente der eingesetzten Meeresfische ab. Alles andere wird irgendwo der Natur entnommen. Um den beliebten "Anfängerfisch", einen gelben Seebader, zu züchten, benötigst Du z.B. ein Aquarium mit Überdruck. Auch für Hobbybastler nicht ganz einfach herzustellen.

Die gute Nachricht ist aber: kein Aquarianer und  (fast) kein Händler gibt sich nicht alle Mühe, dass es den Tieren gut geht. Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass es auch kommerzielle Gründe dafür gibt. Wenn man für einen Fisch hundert Franken ausgibt, will man ihn auch möglichst lange "geniessen" und kann und will sich nicht leisten, alle paar Wochen Nachschub für die eingegangenen Fische und Korallen zu besorgen. Auch muss man der Gerechtigkeit halber feststellen, dass das Wissen ob der Bedürfnisse der Tiere und die  Möglichkeiten, ihnen gerecht zu werden, in den letzten Jahren enorm gestiegen sind. Der Aufwand, den viele Aquarianer betreiben, ist riesig (nicht nur der finanzielle sondern auch der zeitliche Aufwand). Eine ebenfalls nicht zu vernachlässigende positive Seite dieses Hobbys ist, dass man zu den einzelnen Tieren eine Beziehung aufbaut, vielleicht nicht gerade wie zu Hunden oder Pferden, aber dennoch, man erkennt mit zunehmender Dauer, ob es den Tieren gut geht, ob sie Mangel an irgend etwas haben oder ob sie nie mehr das Aquarium verlassen wollen (wir würden sie auch nicht hergeben). Diese Beziehungen und das Beobachten der Tiere, ihrer Eigenheiten, ihrem Balzverhalten und ihrer Aggression machen ja auch ein Grossteil der Faszination dieses Hobbys aus.

Aquariencomputer

Als vermeintlicher Computerfreak habe ich mich schnell entschlossen, die ganze Steuerung des Aquariums via Computer zu machen. Man kann dabei so herrlich sitzen, eine Kaffeetasse und ein Aschenbecher sind immer in Reichweite und um zu telefonieren oder TV schauen braucht man auch nicht aufzustehen. Es gibt nicht allzu viele Hersteller von geeigneten Aquariensteuerungen, die an den Computer angeschlossen (und durch ihn gesteuert) werden können. Alle sind grundsätzlich zu teuer, lassen praktisch nur Komponenten des gleichen Herstellers zu, sind technisch nicht ganz auf der Höhe der Zeit und haben ein Design, das an die gute alte DOS-Zeit erinnert. Und trotzdem: ich habe mich ziemlich früh für Aquatronica entschieden. Dieser Entscheid lässt sich fast nicht mehr rückgängig machen. Und siehe da (etwas unerwartet): es funktioniert. Natürlich nicht ganz so, wie es der Hersteller (eine ziemlich kleine italienische Bude) verspricht (immer wieder Hänger, die mit Ein- und Ausstecken der Kabel überwunden werden können, Stecker passen wegen unsauber verschweissten Plastikabdichtungen nicht in die vorgesehene Steckdose (langes Grübeln, ich bin doch nicht blöd, oder? ein Teppichmesser und für immer und ewig ist das kleine Problem gelöst). Oder: ein Löschen einer irrtümlich eingegebenen Komponente geht nicht am Computer sondern nur an der gut versteckten und kaum ablesbaren Kontrolleinheit, oder wie immer dieses Ding heisst. Der Anschluss Computer zur Kontrolleinheit ist nur durch ein quer durch das Wohnzimmer verlegtes USB-Kabel möglich (aus "Sicherheitsgründen" sind die Möglichkeiten bei einem Ethernet-Anschluss stark eingeschränkt. Da könnte ja jemand aus Hongkong die Temperatur verstellen!). Da ich aber die Anfänge der Computerzeit miterlebt habe, bin ich hier geneigt festzustellen, dass das Glas hier halbvoll ist. Fazit: (ähnlich wie bei der eigenen Ehefrau) es gibt viel Schatten, aber unter dem Strich ist dies eine gute Wahl gewesen. Aber zumindest Aquatronica hat ihre guten Zeiten schon lange hinter sich gelassen (es sei denn, man trauert den DOS-Zeiten hinterher. Dann wird man ob der vielen grellen Farben seine helle Freude haben).
Elektronischer Wassermelder   
Aquatronica Hauptbildschirm Steckleiste und Controller Ein Teil der Verkabelung(noch etwas wirr) Sonden (im Technikbecken)
   
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